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Nepal: Jetzt spenden, später helfen … aber richtig!

Freiwillige verlegen Fussboden in NepalBei allen Freiwilligen-Organisationen, die Freiwilligenarbeit in Nepal auf unserem Portal anbieten, gehen seit dem Erdbeben am 25. April 2015 Anfragen ein von Menschen, die nicht nur spenden, sondern auch vor Ort helfen wollen. Wir sagen dir, wann das Sinn macht und wie du das richtige Volunteer-Projekt findest.

Zunächst ruhig bleiben, Ball flach halten und … spenden!

Spirale der Katastrophenhilfe

Spirale der Katastrophenhilfe Quelle: Deutsches Rotes Kreuz

Wer angesichts einer Naturkatastrophe wie dem Erdbeben in Nepal jetzt in den Flieger springen und vor Ort helfen möchte, sollte bedenken: In der akuten Nothilfe, dem ersten Schritt des Kreislaufs der Katastrophen-Hilfe (siehe untenstehende Grafik), werden nur ausgebildete Fachkräfte gebraucht, die für die Bewältigung echter Krisen-Situationen geschult sind. Wer nur seinen guten Willen in die Waagschale werfen kann, steht eher im Wege herum und konkurriert sogar noch mit den Einheimischen um wichtige Lebensgrundlagen wie Trinkwasser, Lebensmittel und, gerade in Nepal, sichere Unterkunft.

Die beste Hilfe für die Nepalesen sind zunächst Geldspenden an anerkannte Hilfsorganisationen, die in der Lage sind, das Geld kurzfristig in konkrete Hilfe umzusetzen: In Deutschland z. B. das Bündnis Entwicklung hilft, in der Schweiz die Glückskette oder in Österreich eine unserer Partner-Organisationen.

Freiwillig helfen bei Wiederaufbau und langfristiger Entwicklung

In einigen Wochen oder Monaten, wenn das Leben im Himalaja wieder in geordneteren Bahnen abläuft und die Grundversorgung wieder weitgehend sichergestellt ist, können Freiwillige durchaus einen sinnvollen Beitrag leisten. Dann beginnt die Wiederaufbau & Rehabilitation-Phase, die nach und nach in eine dauerhafte Entwicklung übergeht.

Teamwork Freiwilliger HelferDabei helfen Freiwillige nicht nur durch ihre Arbeitsleistung. Wie nicht zuletzt nach dem Taifun Hayan eine Voluntourismus-Aktion einer Region der Philippinen zeigte, sind stark vom Fremdenverkehr abhängige Länder wie Nepal darauf angewiesen, auch dann wieder touristische Einnahmen zu erzielen, wenn die Infrastruktur noch nicht wieder völlig hergestellt ist. Voluntouristen mit einem gewissen Pionier-Geist können in dieser Situation helfen, die Wirtschaft des Landes wieder anzukurbeln. Immerhin ist der Tourismus Nepals zweitwichtigste Einnahmequelle, nach Wanderarbeitern in den Golfstaaten, und trägt ca. 10% zum BIP bei.

Unser Partner Karmalaya schätzt z. B., dass direkt und indirekt 300 Nepalesen dank der Freiwilligen-Programme der Organisation ihren Lebensunterhalt verdienen, teils in touristisch nur wenig erschlossenen Ecken des Landes. „Für diese Menschen wäre es die Katastrophe nach der Katastrophe, wenn sie nun auch noch ihr Einkommen verlören.“

Damit aber sinnvolle Freiwilligenarbeit nicht zum voyeuristischen Katastrophen-Tourismus mutiert, sollten alle Volunteers in spe sich zuvor über ihre Motivationen klar werden und realistisch an ihr ehrenamtliches Engagement in Nepal herangehen. Flexible Freiwilligenarbeit sollte vor allem unter dem Zeichen des Lernens stehen und in ein langfristiges Engagement münden. Wer nur an Selfies beim Helfen interessiert ist, bleibt besser zu Hause.

Wann?

Die Frage, wann Freiwilligenarbeit auch für Personen ohne besondere Qualifikationen wieder möglich ist, hängt sowohl vom Fortschritt der Aufräum- und Rettungsarbeiten, als auch von der Lage des Freiwilligenprojekts ab.

Karte Epizentrum Erdbeben Nepal

Epizentrum des Erdbebens in Nepal
(c) cbm – Spendenaufruf Nepal

So ist der internationale Flughafen von Katmandu wieder geöffnet und natürlich nimmt der Zerstörungs-Grad mit zunehmenden Entfernung vom Epizentrum (siehe Karte) ab. Nicht alle Regionen Nepals sind so stark zerstört, wie es die Trümmer-Bilder in den Medien manchmal nahelegen. Dazu gehören einige touristische Hauptorte Nepals, wie Chitwan und Pokhara.

Angehende Volontäre sollten sich vor Reiseantritt genau informieren, wie stark die Region, in der sie arbeiten werden, zerstört ist und welche Verhältnisse sie vorfinden. Wir raten dringend davon ab, unnötige Risiken für die eigene Gesundheit einzugehen. Nicht zuletzt bringt das für die Nepalesen unnötige Zusatz-Belastungen!

Einige der Freiwilligen-Organisationen auf unserem Portal haben bereits hier und hier Sonder-Projekte ins Leben gerufen und den Arbeitsantritt für den 1. Juni 2015 geplant. Ob dieser Termin beibehalten wird, hängt aber auch von den weiteren Entwicklungen ab. Die Freiwilligen werden auch mehr als sonst noch dazu angehalten, über ihren Teilnahmebeitrag für das Projekt hinaus, für die Aufbauarbeit zu spenden.

Was?

Die meisten Freiwilligen-Projekte in Nepal liegen traditionell im sozialen Bereich, z. B. in der Arbeit mit Kindern und Behinderten. Zu den bereits bestehenden Projekten werden neue Projekte hinzukommen, in denen Volunteers Aufgaben übernehmen werden, für die die Einheimischen nicht zur Verfügung stehen, weil diese mit dem Wiederaufbau beschäftigt sind. Denkbar sind z. B.

  • Kindergärten und –Horte
  • Projekte, in denen Kinder durch Kultur, Spiel und Sport von der Krisen-Situation abgelenkt werden.
  • Schul- und Unterrichts-Projekte

Freiwillige Helfer bei WundversorgungWir raten dringend davon ab, in Waisenhaus-Projekten zu helfen, die bereits vor dem Erdbeben ein großes Problem darstellten, weil sie den Kinderhandel fördern. Unser Blog-Beitrag Freiwillige Helfer dürfen in Nepal nicht Kinderhändlern in die Hände spielen erklärt im Detail warum.

Dazu kommen werden verstärkt Bau- und Infrastruktur-Projekte, bei denen insbesondere Personen mit handwerklichen Fähigkeiten willkommen sind. Wir empfehlen hier besonders solche Projekte, bei denen die Freiwilligen-Organisationen darauf dringen, neben dem Teilnahmebeitrag auch noch weitere Spendengelder zu sammeln, damit Baumaterialien gekauft und einheimischen Handwerkern ein Lohn gezahlt werden kann.

Auch andere Projekte im Natur- und Umweltschutz, im medizinischen Bereich, im NGO-Management oder in der Beschäftigungs-Förderung laufen weiter.

Wo?

Wie schon unter Wann? angesprochen, gibt es viele Regionen Nepals, die vom Erdbeben nur unwesentlich betroffen sind. Dazu gehören einige touristische Zentren Nepals, wie Chitwan und Pokhara. Schon im Sommer 2015 in Nepal zu helfen, heißt deswegen nicht unbedingt, inmitten von Trümmern zu leben.

Vor allem Personen, die zum ersten Mal im Ausland helfen wollen, sollten mit Vorsicht an die Wahl ihres Einsatz-Ortes herangehen und eher vom Erdbeben nicht betroffene Regionen bevorzugen. Soziales oder ökologisches Engagement an sich ist bereits ein kräftezehrendes Unterfangen. Dazu kommt noch der Kulturschock, den Sie unweigerlich erleben werden.

Zu einem für die Freiwilligen und das Aufnahme-Projekt gelungenen Einsatz, gehört auch die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. Unser Rat: riskiere nicht, deinen Gastgebern zur Last zu fallen, weil du mit der Not und dem Leid nicht klar kommst. Nicht zuletzt hängen die Möglichkeiten, aber auch von der Unterstützung der Freiwilligen-Organisation ab.

Kläre im Vorhinein ab:

  • Wo genau findet das Projekt statt?
  • Wie ist der Zerstörungsgrad der Infrastruktur vor Ort einzuschätzen?
  • Wie sicher ist die medizinische Versorgung, wenn ein Unfall geschieht? Nicht den Helden spielen!

 

Mit welcher Freiwilligen-Organisation?

Unser Ratgeber „So wählen Sie die richtige Freiwilligen-Organisation aus“ gibt allen Interessierten eine ausführliche Check-Liste an die Hand, die es vereinfacht die Seriosität einer Freiwilligen-Organisation einzuschätzen.

Dazu kommen im Fall von Katastrophen-Projekten noch die Fragen:

  • War die Entsende-Organisation bereits vor dem Erdbeben in Nepal präsent? Ist dies nicht der Fall, handelt es sich um Trittbrett-Fahrer!
  • Wird das Projekt von der lokalen Bevölkerung mitgetragen?
  • Welche Betreuung bekomme ich vor Ort von der Freiwilligen-Organisation?

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Frank Seidel

Frank Seidel ist der Gründer von www.wegweiser-freiwilligenarbeit.com, dem unabhängigen Portal für flexible und sinnvolle Freiwilligenarbeit im Ausland. Seit er 1991 selbst ein Praktikum in einem Naturschutzgebiet in Südfrankreich machte, beschäftigt er sich mit freiwilligem Engagement weit ab der Heimat, in der Vergangenheit auch als Autor des Buches "Jobben für Natur und Umwelt" oder als Marketing-Direktor einer weltweit agierenden Freiwilligenorganisation.

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