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Der ultimative Ratgeber für Freiwilligenarbeit und Freiwilligendienst im Ausland für Erwachsene, Ältere ab 30, 50+

Freiwilligenarbeit im Ausland ist auch für Menschen möglich, die nicht mehr in der Ausbildung oder im Studium sind. Es gibt sogar viele Freiwilligen-Projekte in Afrika, Asien, Südamerika und Australien/Ozeanien, die erwachsene Berufstätige und Senioren im Rentenalter besonders gerne sehen, da sie berufliche Qualifikationen und Lebenserfahrung mitbringen. Nur bei geregelten Freiwilligendiensten im Ausland schauen Menschen ab 30 in die Röhre, denn leider liegt das Höchstalter bei allen Programmen zwischen 26 und 30 Jahren. Wir sagen Ihnen, wie Sie auch anders im Ausland helfen können und wie Sie das passende Volunteering-Angebot finden.

Tl;dr* – Kurz & knapp

  • Es gibt keine geregelten (geförderten) Freiwilligendienste im Ausland für Menschen über 30. Alternativ gibt es flexible Freiwilligenarbeit mit vielen Angeboten.
  • Nur wenige Freiwilligen-Projekte im Ausland haben ein Höchstalter. Ob Sie sich engagieren, hängt von Ihnen ab.
  • Besondere (berufliche) Qualifikationen werden von fast allen Aufnahme-Projekten gern gesehen, sind aber selten für die Teilnahme zwingend erforderlich. Sie können auch einfach Ihren Neigungen folgen.
  • Ja, bei den meisten Freiwilligen-Organisationen sind die meisten anderen Freiwilligen zwischen 16 und 25. Die Unterbringung in einer Gastfamilie bietet die Möglichkeit, für sich zu bleiben und dabei ganz in die andere Kultur einzutauchen.

* Too long: didn’t read – Zu lang, nicht gelesen

Freiwilligenprojekte in Afrika, Asien, Lateinamerika für Erwachsene

Fast alle Projekte auf unserem Portal sind auch Personen über 30 zugänglich. Mehr zum Thema des Höchstalters.

Hier nur eine kleine Auswahl der Projekte, die explizit Freiwillige mit Lebens- und Berufserfahrung suchen:

Berater auf Zeit für ein Indianerprojekt in Peru

Sie möchten sich gerne sozial engagieren für ein Indianerprojekt im zentralperuanischen Amazonasgebiet? Sie sind davon überzeugt, dass Sie mit Ihrem Wissen, Ihrer Erfahrung und Kommunikationsstärke nachhaltig etwas bewegen können? Dann bietet Ihnen diese Partnerorganisation eine Möglichkeit, wie Sie ein Social Sabbatical sinnvoll in Ihr aktives Berufsleben integrieren können.

“Generation 50 Plus Special”: Sozialarbeit in Nepal

Sie suchen nach einer Möglichkeit zu reisen und dabei noch anderen Menschen zu helfen? Dann ist dieses Generation 50+ Special in Nepal genau das richtige für Sie. Zwei Wochen lang werden Sie in Nepal gemeinsam mit anderen Freiwilligen in Schulen und Tagesstätten arbeiten.

Regenerative Energien – Solar Projekt in Tansania

Haben Sie Pioniergeist und Interesse an der Solarenergie? Unterstützen Sie als Volunteer ein Unternehmen, das Solar Home Systeme herstellt und damit tansanische Haushalte ausrüstet.

Tierpflege-Projekte in Costa Rica

Costa Rica steht für Lebensfreude, faszinierende Landschaften und eine der artenreichsten Tier- und Pflanzenwelten der Erde! Wenn Sie Sinn für Ökologie haben, neugierig und enthusiastisch sind und keine Angst vor körperlicher Arbeit haben, dann freut sich unsere Partnerorganisation über Unterstützung in diesem Tierpflege-Projekte!

Ab wann ist man erwachsen? – Für wen dieser Ratgeber geschrieben wurde

Dieser Ratgeber zeigt die Möglichkeiten für Freiwilligenarbeit im Ausland für Erwachsene auf und beantwortet die wichtigsten Fragen zu diesem Thema. Die erste Frage, die sich dabei auch uns stellte, lautete: Ab wann ist man denn überhaupt erwachsen? Es war nicht einfach, hier eine korrekte Bezeichnung zu finden, die all diejenigen miteinschließt, für die dieser Artikel geschrieben ist.

Das sind zum einen Berufstätige. Laut Gesetz ist man zwar bereits mit 18 Jahren volljährig und somit erwachsen. Wir wenden uns aber insbesondere an diejenigen, die sich nicht mehr in der Ausbildung befinden und ihr Engagement mit dem Berufsleben oder einer Familie in Einklang bringen müssen.

Dazu gehören auch Mütter und Väter, die sich bislang um die Kindererziehung oder den Haushalt gekümmert haben. Sind die Kinder dann aus dem Haus, möchten viele Eltern die Gelegenheit nutzen, sich mit einem Freiwilligendienst im Ausland einen lang gehegten Traum zu erfüllen. Für diese Gruppe gelten im Bereich ehrenamtliches Engagement im Ausland häufig andere Voraussetzungen als für Jugendliche, und oft haben sie dementsprechend auch andere Fragen dazu sowie möglicherweise Bedenken. Diese wollen wir in unserem Artikel beantworten bzw. aus dem Weg räumen und aufzeigen, wie beispielsweise Freiwilligenarbeit im Ausland ü30 oder ü50 aussehen kann.

Aber auch Senioren und Rentner, die ihre neu gewonnene Freizeit nutzen möchten, um im Ausland einem Ehrenamt nachzugehen, finden hier Informationen und Tipps rund um Freiwilligenarbeit für Ältere im Ausland. Für sie gibt es ebenfalls zahlreiche Möglichkeiten, sich beispielsweise in Afrika, Asien oder Lateinamerika zu engagieren.

Fassen wir also zusammen: Unser Ratgeber ist für diejenigen am interessantesten, die sich nicht mehr in der Ausbildung befinden und ihr Engagement mit dem Berufsleben oder der Familie vereinbaren müssen, sowie für alle, die bereits in Rente sind. Ob sie sich « älter » oder « erwachsen » dabei fühlen, bleibt jeder und jedem selbst überlassen 😉

Geregelte Freiwilligendienste im Ausland nur bis 30

Prinzipiell gibt es zwei Arten von freiwilligem Engagement im Ausland: geregelte Freiwilligendienste und flexible Freiwilligenarbeit.

Bei den geregelten Freiwilligendiensten, worunter zum Beispiel die Dienste weltwärts oder kulturweit fallen, sind die Rahmenbedingungen durch ministerielle Richtlinien klar geregelt, und dazu zählt auch das Höchstalter.

Wie eng die Altersgrenze gezogen wird, ist dabei von Programm zu Programm unterschiedlich:

Mindestalter und Höchstalter deutscher Freiwilligendienste

Für den IJFD und für kulturweit beispielsweise darf man höchstens 26 Jahre alt sein. Andere Freiwilligendienste sind nicht ganz so streng, weltwärts z. B. nimmt Teilnehmer bis 28 Jahren, der EFD sogar bis 30 Jahren auf. Die Ü30-Gruppe hat also bei den geregelten Freiwilligendiensten im Ausland keine Chance mehr.

Einzig der ADiA bietet Freiwilligendienste im Ausland für Ältere an, ist aber, ebenso wie das FSJ im Ausland oder das FÖJ im Ausland im Aussterben begriffen.

Zum Bundesfreiwilligendienst, der in Deutschland u.a. soziales, kulturelles oder ökologisches Engagement innerhalb eines gesetzlichen Rahmens auch für Erwachsene und Senioren ermöglicht, gibt es in Afrika, Asien, Europa oder Südamerika kein Pendant.

Auch das Pilotprojekt « Internationale Freiwilligendienste für unterschiedliche Lebensphasen », das von 2005 bis 2008 mit Fördermitteln des Familienministeriums über 450 Freiwillige im Alter von bis zu 71 Jahren ins Ausland geschickt hat, hat keinen Nachfolger gefunden.

Dank der flexiblen Freiwilligenarbeit gibt es für Ältere aber trotzdem eine Vielzahl an Möglichkeiten, ehrenamtlich im Ausland zu helfen.

Flexible Freiwilligenarbeit im Ausland für alle offen

Im Gegensatz zu den eben erwähnten geregelten Freiwilligendiensten, gibt es bei flexibler Freiwilligenarbeit keine genauen Richtlinien und deswegen auch kein prinzipielles Höchstalter. Mehr zur begrifflichen Abgrenzung von geregelten Freiwilligendiensten und flexibler Freiwilligenarbeit.

Freiwilligenarbeit im Ausland 16 Mindestalter in SuchergebnissenAlle Projekte, die Sie hier auf wegweiser-freiwilligenarbeit.com finden, fallen in diese Kategorie. Die meisten Projekte haben kein Höchstalter. Sollte es doch einmal eine Altersgrenze geben, so ist dies bereits in den Suchergebnissen und auch im Projekt-Steckbrief angegeben.

Lassen Sie sich also nicht davon beeinflussen, dass auf den Fotos zu den Projekten meist junge Leute auftauchen. Es liegt an Ihnen, ob Sie Lust auf ein Projekt haben und sich im Ausland engagieren wollen.

Flexible Freiwilligenarbeit steht prinzipiell allen offen und ist flexibel was Abreise, Dauer und Einsatzbereich angeht. Gerade für Ältere mit beruflichen und privaten Pflichten ist dies ein großer Vorteil, da sich ihr Engagement im Ausland so einfacher mit ihrem Leben daheim vereinbaren lässt.

Egal, ob Sie während Ihres Urlaub Hilfsprojekte unterstützen, während einer Auszeit Abstand gewinnen oder während der Rente die Welt sehen wollen: irgendwo gibt es ein flexibles Freiwilligen-Projekt, das zu Ihnen passt.

Zu den Charakteristika von flexibler Freiwilligenarbeit gehören:

  • Flexibilität bei den Daten: Je nach durchführender Organisation gibt es meist mehrere Starttermine pro Quartal oder pro Monat, bei einigen Freiwilligen-Organisationen kann man den Zeitpunkt des Arbeitsantritts sogar völlig frei wählen.
  • Flexibilität bei der Dauer: Unter Beachtung einer Mindestdauer (wir empfehlen mind. 2 Wochen, bei Projekten mit Kindern 4 Wochen) können Sie sich die Dauer aussuchen. Nur selten gibt es eine durch die Organisation festgelegte Höchstdauer des Freiwilligenprojekts, aber häufig setzen die Visabestimmungen des Einsatzlandes Grenzen.
  • Wahl des Einsatzlandes: Hier setzt nur das Angebot die Grenzen. Flexible Freiwilligenarbeit gib es auf jedem Kontinent, von Afrika und Asien über Süd- und Mittelamerika bis zu Industriestaaten wie den USA und Australien.
  • Wahl der Freiwilligen-Tätigkeit: Im Gegensatz zu geregelten Freiwilligendiensten, bei denen sich junge Leute auf ausgeschriebene Stellen bewerben und wie bei der Arbeitssuche gegen andere Bewerber*innen durchsetzen müssen, nehmen Sie bei flexibler Freiwilligenarbeit über ein Anmeldeverfahren teil.
    Wenn für das gewählte Freiwilligenprojekt besondere Fähigkeiten Voraussetzung sind, müssen Sie diese im Anmeldeverfahren zwar nachweisen, allerdings brauchen Sie nicht die Konkurrenz anderer Freiwilliger zu fürchten. Darüber hinaus sind viele Freiwilligen-Projekte auch ohne besondere Qualifikation zugänglich. Mehr zur Frage der notwendigen Fähigkeiten weiter unten.

Die Kosten werden dabei von den Freiwilligen selbst getragen. Mehr dazu, warum auch Freiwilligenarbeit für Erwachsene nicht kostenlos ist.

Mindestqualifikation bei Freiwilligenarbeit im Ausland für Ältere

“Freiwilligenarbeit im Ausland – brauche ich da nicht berufliches Fachwissen?” Diese Frage stellen sich viele, es gibt aber keine allgemeingültige Antwort.

Grundsätzlich gilt: Fast jede und jeder kann Freiwilligenarbeit im Ausland machen, auch ohne besondere Qualifikation. Aber nicht jedes Freiwilligen-Projekt steht allen offen.

Die Anforderungen an die Freiwilligen werden im Dialog bestimmt, von

  • Einerseits der Freiwilligen-Organisation, bei der Sie sich anmelden, und
  • Andererseits dem Aufnahme-Projekt vor Ort, wo Sie sich engagieren werden.

Die intensive Einbeziehung des Aufnahme-Projekts in die Definition der Aufgaben und Mindestqualifikation der Freiwilligen ist eines der Qualitätskriterien, die wir bei der Auswahl unserer Partnerorganisationen überprüfen.

Teilweise werden dabei nachprüfbare Qualifikationen als Teilnahmevoraussetzung festgelegt, wie z. B. eine abgeschlossene Ausbildung in einem bestimmten Fachbereich oder auch relevante Erfahrung durch ehrenamtliche Arbeit am Heimatort.

In viel Fällen stehen die Projekte aber auch allen Menschen offen, ohne besondere Bedingungen.

Deswegen lohnt es sich in den Projekt-Steckbriefen auf unserem Portal den Punkt „Besondere Qualifikationen“ zu beachten.

In wieder anderen Fällen steht ein Projekt zwar grundsätzliche allen Interessierten offen, Freiwillige mit besonderen Fähigkeiten bekommen aber andere Aufgaben oder haben sogar eine komplett andere Rolle.

Beispiel 1 – ein Englisch-Unterricht-Projekt: Häufig werden Freiwillige als Hilfskräfte für das einheimische Lehrpersonal oder zur Organisation nachmittäglicher Englisch-AGs eingeplant. Dazu werden meist auch Volunteers ohne Unterrichtserfahrung mit gutem Schulenglisch zugelassen. In derselben Schule können ausgebildete Englisch-Lehrer*innen aber unter Umständen gleichzeitig eine eigene Klasse übernehmen oder sogar die einheimischen Kolleginn*en fortbilden.

Beispiel 2 – ein Projekt in einem Krankenhaus: In medizinischen Projekten werden Freiwilligen je nach Qualifikation völlig unterschiedliche Rollen zugeteilt.
Personen ohne Qualifikation haben dort nur einen Praktikanten-Status. Sie können die einheimischen Fachkräfte beobachten, diesen evtl. assistieren und Pflegetätigkeiten übernehmen. Medizinstudierende können z. B. ihr Pflegepraktikum in einem Freiwilligenprojekt ableisten. (Richtigerweise müsste man solche Projekte als Praktika bezeichnen und einige unserer Partnerorganisationen tun dies auch.)
Am anderen Ende des Spektrums können ausgebildete Ärzte oder andere Gesundheits-Fachkräfte wie Krankenschwester/Krankenpfleger, Physiotherapeut, Hebamme oder Ergotherapeut mitunter im Zusammenarbeit mit den einheimischen Kollegen auch direkt bei Diagnose, Therapie und Pflege mitarbeiten.

Ob und wenn ja in welchem Maße Ihre beruflichen oder anderweitigen Qualifikationen Ihre Rolle und Ihre Tätigkeit beeinflussen können, erfahren Sie im Austausch mit der Freiwilligen-Organisation. Auf wegweiser-freiwilligenarbeit.com heißt das: nehmen Sie mit der durchführenden Freiwilligen-Organisation über das Formular am Ende der Projektbeschreibung Kontakt auf, beschreiben Sie ggf. Ihre Qualifikation und fragen Sie nach, wie diese evtl. Ihre Tätigkeiten beeinflussen können.

Fachwissen und besondere Fähigkeiten werden nur bei der qualifizierten Entwicklungszusammenarbeit zwingend vorausgesetzt. Auf die Unterschiede zwischen diesen beiden Arten von Engagement im Ausland gehen wir weiter unten noch näher ein.

Berufliche Qualifikation in Freiwilligen-Projekt im Ausland einbringen oder Interessen folgen?

Als erwachsener Mensch mit Berufserfahrung stehen Sie vor der Wahl:

Möchte ich mein berufliches Fachwissen nutzen, um im Einsatzland besonders nützlich zu sein?

Oder habe ich nach unzähligen Stunden und Tagen im Job keine Lust, nun auch noch in meinem Urlaub das Gleiche zu machen, und möchte stattdessen meinen Neigungen folgen?

Beide Ansätze haben ihre Berechtigung, und die Wahlmöglichkeit, die flexible Freiwilligenarbeit Menschen mit Berufserfahrung bietet, ist ein großer Vorteil.

Auch wer keine Erfahrung in einem konkreten Beruf mitbringt, sondern sich bisher beispielsweise um die Kindererziehung gekümmert hat, kanns seinen Einsatzbereich wählen.

Viele Freiwilligen-Projekte stehen allen offen, ob mit oder ohne spezifische Kenntnisse in einem bestimmten Bereich. Freiwillige mit besonderen Fähigkeiten können aber häufig ihrer Kompetenz angemessene Aufgaben bekommen.

Bei der Auswahl eines Projektes kommt es dann auch darauf an, wie sich die durchführende Freiwilligen-Organisation mit dem jeweiligen Aufnahme-Projekt im Gastland abspricht. Da gibt es bedeutende Unterschiede. Je besser diese Kommunikation, umso besser kann das individuelle Projekt auf die Fähigkeiten des oder der Freiwilligen abgestimmt werden. Auf wegweiser-freiwilligenarbeit.com können Sie über das Kontaktformular am Ende jedes Projekts direkt bei der Freiwilligenorganisation nachfragen, wie sie die Zuweisung von Freiwilligen an die Aufnahme-Projekte handhabt.

Die Antwort auf die Frage „Haben Sie etwas, dass besonders zu meinen Fähigkeiten passt?“ kann dann etwas länger dauern, weil die Organisation zunächst mal den Bedarf vor Ort evaluieren muss. Gleichzeitig ist das dann aber auch ein gutes Zeichen für die Ortskenntnis der Organisation.

Für manche Projekte ist berufliches Fachwissen besonders wertvoll, weshalb ältere Freiwillige dort gern gesehen werden. Aber nicht nur wegen ihrer Qualifikation, sondern auch wegen ihrer Lebenserfahrung schätzen viele Aufnahme-Projekte ältere Freiwillige, die bereits mitten im Leben stehen.

Mithilfe der folgenden Tabelle können Sie sich außerdem einen Überblick darüber verschaffen, mit welcher beruflichen Qualifikation sie in welcher Art von Projekt gut aufgehoben sind:

  • Unterricht & Bildung: Lehrer, Grundschullehrer, Experten der Erwachsenen-Bildung, Sonderpädagogen
  • Soziale Freiwilligenprojekte: Sozialpädagogen, Erzieher, Sozialarbeiter
  • Natur- und Umweltschutz: Biologen, Meeresbiologen, Umweltwissenschaftler, Förster
  • Gesundheit & Pflege: Krankenschwestern/Krankenpfleger, Ärzte, Arzthelferinnen, Altenpfleger, Hebammen, Sanitäter, Apotheker
  • Bauen & Infrastruktur: Architekten, Ingenieure, Schreiner, Maurer, Gas-Wasser-Installateure, Solar-Techniker, Mechaniker, Dachdecker, Maler, Zimmerer
  • Beschäftigungsförderung: Sozialpädagogen, Erzieher, Lehrer, Experten der Erwachsenen-Bildung, Personal-Experten
  • Journalismus & Medien: Journalisten, PR-Experten, Fotografen, Mediendesigner, Mediengestalter
  • Kunst, Kultur, Archäologie: Archäologen, Künstler, Kunstlehrer, Musiklehrer,  Museumsmitarbeiter, Designer, Fotografen
  • Landwirtschaft: Landwirte, Gärtner, Landschaftspfleger
  • Menschenrechte: Juristen, Rechtsanwälte, Rechtsanwaltsfachangestellte
  • NGO-Management & Lobbying: Manager, Experten für Öffentlichkeitsarbeit, Buchhalter
  • Sport: Sportlehrer, Trainer
  • Tierpflege & Veterinärprojekte: Tierärzte, Tierpfleger

Viele Aufnahme-Projekte in Afrika, Asien, Lateinamerika oder anderen Kontinenten sehen ältere Volunteers besonders gerne, weil sie neben besonderen Qualifikationen auch Ihre Lebenserfahrung mitbringen.

Vorsicht vor kolonialistischen Vorstellungen und Verhalten!

Manchmal verkehrt sich diese Erfahrung aber auch ins Gegenteil. Wenn nämlich die älteren Freiwilligen neokolonialistisches Verhalten zeigen und meinen das Projekt bräuchte nur noch ihre Ratschläge und Fachwissen, um endlich seine Probleme zu lösen. Die Qualifikation wird dann zum Handicap.

Fast alle Aufnahme-Projekte können Geschichten von weißen Besserwissern erzählen. Z. B. von der Krankenschwester, die gleich am ersten Tag meinte der einheimischen Oberschwester in Gegenwart eines Patienten erklären zu müssen, wie man richtig eine Spritze setzt. Oder des jungen Juristen, der schon nach zwei Wochen in Kambodscha besser wusste, wie man die Frauenrechte in Südostasien voranbringt, als die einheimischen, festangestellten Mitarbeiter*innen.

Seien Sie nicht dieser White Savior, der die Länder im globalen Süden noch als Hilfsempfänger sieht, die der Hilfe einer Fachfrau / eines Fachmannes aus dem Norden bedürfen, um die Probleme während eines Jahresurlaubs zu lösen.

Nur selten wird Freiwilligen, die nur während Ihres Urlaubs oder eines Sabbaticals da sind, die Aufgabe zugeteilt, explizit Lösungsvorschläge zu erarbeiten oder Einheimische auszubilden. In der Regel erwartet das Aufnahme-Projekt von Ihnen, sich an die lokalen Gegebenheiten anzupassen und die Festangestellten nach deren Bedürfnissen zu unterstützen.

Gehen Sie also behutsam vor und setzen Sie sich zunächst das Ziel zu verstehen, warum Ihr Freiwilligen-Projekt so funktioniert wie es eben funktioniert. Dazu gehören explizit auch die kulturellen Zusammenhänge, die für Sie als Europäer*in vielleicht nur schwer nachvollziehbar sind. Erst wenn Sie das Vertrauen der Menschen gewonnen haben, die auch nach Ihrer Abreise noch vor Ort weiterarbeiten, wird man Ihren Verbesserungsvorschlägen positiv gegenüber stehen.

„Ich bin hier um zu lernen, wie ich auch nach meiner Rückkehr helfen kann.“

Auch wenn Sie bereits besonderes Wissen oder spezielle Fertigkeiten mitbringen: betrachten Sie Freiwilligenarbeit vor allem als Gelegenheit zum Globalen Lernen und machen Sie den Satz „Ich bin hier um zu lernen, wie ich auch nach meiner Rückkehr helfen kann.“ zu Ihrem Motto.

Statt Kolonialismus ist partnerschaftliche Zusammenarbeit angebracht. Der Sinn von Freiwilligenarbeit im Ausland besteht darin, die Zusammenhänge zwischen den Problemen im Gastland mit dem eigenen Leben zu Hause zu verstehen, und Motivation zu finden, sich auch nach der Rückkehr in die Heimat weiter zu engagieren.

Volunteering ist keine Entwicklungszusammenarbeit (früher Entwicklungshilfe)

Um Ihre Rolle als Volunteer realistisch einschätzen zu können und nicht mit falschen Erwartungen in Ihr Freiwilligenprojekt zu starten, ist es wichtig den Unterschied zwischen Freiwilligenarbeit im Ausland und Entwicklungszusammenarbeit (früher oft Entwicklungshilfe genannt) zu verstehen.

Unser Artikel „Entwicklungshelfer werden: Wie dir Freiwilligenarbeit im Ausland dabei helfen kann“ geht darauf im Detail ein, aber hier kurz zusammengefasst:

Um als Fachkraft in der Entwicklungszusammenarbeit zu arbeiten (das Berufsbild „Entwicklungshelfer“ gibt es als solches nicht.), sind Fachwissen, einschlägige Berufserfahrung und Sprachkenntnisse gefordert. Auch Auslandserfahrung durch einen längeren Auslandsaufenthalt, wenn möglich in einem Schwellenland oder Entwicklungsland, ist für viele Stellen Pflicht. Das Anforderungsniveau in diesem Arbeitsmarkt ist in den letzten Jahren stark gestiegen, nur die Motivation zu helfen reicht nicht.

Diese Experten in der Entwicklungszusammenarbeit werden zwar bezahlt, gleichzeitig muss man sich für die vorhandenen Stellen allerdings wie für eine normale Arbeitsstelle bewerben. Die Einsätze dauern in der Regel mindestens ein Jahr oder länger, und den genauen Zeitpunkt und den Ort ihres Auslandsaufenthalts können Entwicklungshelfer nicht selbst wählen.

Eine Arbeit in der Entwicklungszusammenarbeit anzunehmen, bedeutet also ungefähr so viel wie den Job zu wechseln.

Wer seinen Arbeitsplatz oder Lebensmittelpunkt im Heimatland behalten möchte, der ist bei der flexiblen Freiwilligenarbeit an der richtigen Stelle.

Ein besonderes Arbeitsfeld ausgebildeter Fachkräfte sind Einsätze nach Naturkatastrophen oder in Krisengebieten. Freiwillige ohne besondere Ausbildung sind dort nicht nützlich, weil sie nicht autonom arbeiten können und stattdessen mit den Expert*innen und den Einheimischen um wichtige Ressourcen wie Lebensmittel, Trinkwasser oder sichere Unterkunft konkurrieren. Erst wenn das Krisenmanagement dem Wiederaufbau und der dauerhaften Entwicklung weicht, können auch Volunteers wieder helfen. Mehr zu diesem Thema in unserer Blog-Kategorie Freiwilligenarbeit und Katastrophenhilfe.

Dauer des ehrenamtlichen Engagements – Urlaub oder Sabbatjahr

Bei flexibler Freiwilligenarbeit im Ausland sind Dauer und Zeitpunkt des Einsatzes je nach durchführender Organisation mehr oder weniger frei wählbar.

Sie können Ihr ehrenamtliches Engagement also problemlos mit Ihren beruflichen und privaten Verpflichtungen vereinbaren. Ob Sie Ihren Urlaub für Freiwilligenarbeit nutzen oder sich im Rahmen eines Sabbaticals mehrere Monate im Ausland engagieren, bleibt dabei Ihnen überlassen.

Freiwilligenprojekte gibt es jederzeit und nicht nur während der Sommer-Ferien in den Monaten Juni, Juli und August.

Als Mindestdauer empfehlen wir vierzehn Tage, weshalb auch die Preise auf unseren Projektseiten erst bei 2 Wochen starten.

Freiwilligenarbeit findet meist in Ländern mit fremden Kulturen statt, und um sich hier zu akklimatisieren und zurechtzufinden, braucht es eine gewisse Zeit. Das Gleiche gilt für die Arbeit im Projekt, auch hier bedarf es einer Einarbeitung.

Zudem ist der CO2-Ausstoß, der bei einem Langstreckenflug anfällt, für eine Aufenthaltsdauer von weniger als zwei Wochen kaum zu vertreten.

Bei Projekten mit Kindern sollten Sie sogar 4 Wochen Zeit mitbringen, damit sich die Kids und Sie aneinander gewöhnen können. Finger weg heißt es generell bei Freiwilligenarbeit in Waisenhäusern – hier ziehen im Hintergrund oft Kinderhändler die Fäden, auf Kosten des Wohls der Kinder, die oft gar keine Waisen sind.

Unabhängig davon, ob Sie sich eigens eine Auszeit nehmen oder Ihren Jahresurlaub für Freiwilligenarbeit nutzen, sollten Sie sich überlegen, Ihr Engagement in die Zeit außerhalb der Schulferien zu legen. Die Preise sind zwar die gleichen, aber es gibt einige andere Vorteile. So unterstützen Sie zum Beispiel Projekte, die sonst vor allem während der Hochsaison, also der Ferienzeit, Freiwillige bekommen. Was Unterbringung und Komfort angeht, haben Sie außerdem bessere Aussichten, ein Einzelzimmer zu kriegen. Außerdem gehen Sie so dem Ansturm von Jüngeren aus dem Weg (wenn Ihnen das wichtig ist) und vermeiden es, der einzig Erwachsene inmitten einer Schar Jugendlicher zu sein – doch dazu im nächsten Kapitel mehr.

Bin ich da nicht nur von Kids umgeben?

Wer bereits mitten im Leben steht und Volunteering im Ausland machen möchte, hat nicht selten Bedenken, dass er oder sie dort nur auf wesentlich jüngere Leute trifft und sich in dieser Umgebung nicht wohl fühlt.

Nicht ganz ohne Grund, denn die meisten internationalen Freiwilligen sind in der Tat Schüler*innen oder Studierende im Alter von 16 bis 25 Jahren. Deswegen benutzen die meisten unserer Partnerorganisationen auch Fotos mit jungen Leuten in der Rolle der Volunteers.

Doch lassen Sie sich davon nicht abschrecken!

Die Projekte auf unserer Seite stehen prinzipiell allen offen, wenn nicht explizit ein Höchstalter angegeben ist. Es liegt also nur an Ihnen, ob Sie sich engagieren möchten. Wer gut mit jungen Leuten zurechtkommt, wird auch bei Freiwilligenarbeit im Ausland keine Probleme haben.

Für diejenigen, denen bei dem Gedanken, von lauter Teens und Twens umgeben zu sein, etwas unwohl wird, haben wir ein paar Tipps:

Kontakt mit den Jüngeren ist kein Muss

Viele der Freiwilligen-Organisationen gruppieren alle ihre Projekte in derselben Stadt bzw. Region eines Landes, weil dies Logistik und Betreuung der Freiwilligen vereinfacht. Dadurch bildet sich häufig eine Volunteer-Community aus, und viele Freiwillige unternehmen auch außerhalb der Projekte und am Wochenende etwas miteinander. Diese Gemeinschaftsbildung wird teils auch von den Freiwilligen-Organisationen mit Treffen gefördert.

Aber: Es gibt bei solchen Veranstaltungen keinen Teilnahmezwang. Wer für sich oder unter Älteren bleiben möchte, kann das tun.

Beste Lösung für Unterbringung: Gastfamilie während Freiwilligenarbeit im Ausland

Das gilt auch für die Unterbringung. Die Freiwilligen wohnen in der Regel entweder in Volunteer-Häusern oder in einer Gastfamilie.

Bei ersteren werden sie häufig in Mehrbettzimmern untergebracht, und alle Bewohner bilden eine Art große WG. In diesem Fall ist es natürlich etwas komplizierter, den Jüngeren aus dem Weg zu gehen.

Gastfamilien hingegen nehmen oft nur einen einzigen oder zwei Freiwillige auf. Wenn Sie nicht mit jungen Leuten zusammenleben wollen, ist das oft die beste Alternative. Nicht selten freunden sich ältere Volunteers mit ihren Gasteltern an (ähnliches Alter, ähnliche Lebenserfahrung) und verbringen auch ihre Freizeit mit diesen. Natürlich sind die Gastfamilien dazu nicht verpflichtet, aber wenn die Chemie stimmt, ist vieles möglich.

Ob Sie ein Einzelzimmer bekommen, egal ob in einem Volunteer-Haus oder in einer Gastfamilie, ist nicht zuletzt auch saison-abhängig. Die Aufnahme-Organisationen haben nur begrenzte Kapazitäten: entweder weil ihre Volunteer-Unterkunft nicht beliebig ausdehnbar ist, oder weil sie nur mit einer begrenzten Zahl von Gastfamilien zusammenarbeiten. Wenn Sie in der Nebensaison Ihr Freiwilligenprojekte machen, also z. B. von Oktober bis Mai, haben Sie größere Chancen, dass genügend Platz da ist, Ihren Einzelzimmer-Wunsch zu berücksichtigen. In der Hochsaison, vor allem während der Sommerferien im Norden, müssen alle einfach ein bisschen mehr zusammenrücken.

Moralische Unterstützung anderer, jüngerer Freiwilliger nicht unterschätzen

Allerdings sollte die moralische Unterstützung, die Freiwillige sich – unabhängig vom Altersunterschied – gegenseitig geben, nicht unterschätzt werden. Sie sollten sich also fragen, ob Sie dafür gerüstet sind, der einzige freiwillige Helfer zu sein und sich nicht mit Menschen mit derselben kulturellen Ausganssituation austauschen zu können.

Fragen Sie die Freiwilligen-Organisation nach anderen Älteren

Auf alle Fragen, die sie sich bez. Ihrer vermeidlichen Sonderstellung als ü30-Freiwillige*r stellen, können Sie bereits im Voraus die durchführende Freiwilligenorganisation ansprechen.

Teilweise sind diese in der Lage zu überprüfen, ob sich bereits andere Freiwillige in Ihrem Alter für denselben Zeitraum im selben Freiwilligenprojekt angemeldet haben. Manchmal gibt es auch Projekte, die besonders häufig von Erwachsenen besucht werden.

Stellen Sie Ihre konkreten Fragen auch hier einfach über das Kontaktformular am Ende Ihres Wunschprojekts.

Unterbringung und Komfort

Alle Älteren kennen das: als junger Spund brauchte man keinen Komfort, als man mit Interrail durch Europa fuhr, wildes Camping war kein Problem. Aber mit zunehmendem Alter und Einkommen leistet man sich dann etwas mehr Bequemlichkeit und es ist nicht unbedingt einfach, wieder darauf zu verzichten.

Wie sieht es mit den Lebensumständen in einem Freiwilligen-Projekt in Afrika, Asien, Südamerika oder Ozeanien aus?

Lebensstandard in den Zielländern nicht überall derselbe

Bei Freiwilligenarbeit im Ausland haben viele Slums oder Wellblechhütten vor Augen und denken an ein Leben ohne Strom und fließend Wasser. Dies muss aber nicht der Fall sein, denn Hilfe wird auch dort benötigt, wo die Lebensbedingungen denen in Europa ähneln.

Die Lebensstandards sind von Land zu Land sehr verschieden.

Sie können also Ihr Projekt auch danach auswählen, wie viel Komfort Sie behalten oder aufgeben möchten.

In Industriestaaten in Europa (z. B. in Portugal, Spanien, Rumänien), Nordamerika (USA) oder Australien werden Sie sich nicht bedeutend umstellen müssen.

In Schwellenländern wie Brasilien, Südafrika, Marokko oder Mexiko ist die Infrastruktur ebenfalls häufig sehr gut.

In wirtschaftlich benachteiligten Ländern wie Nepal, Bolivien oder Togo dagegen gibt es nicht unbedingt ständig Strom und heißes Wasser. In anderen Ländern wie Indien ist die „bucket shower“, die Eimer-Dusche sehr verbreitet: sie schöpfen mit einem kleinen Eimer Wasser aus einem großen Eimer und schütten es sich über den Kopf.

Vor allem bei Ihrem ersten Projekt sollten Sie sich nicht zu viel vornehmen, sondern gerne ein Land mit mehr Komfort auswählen. Sich zu engagieren kostet Kraft, und auch mit dem Kulturschock müssen Sie zurechtkommen. Da ist es nur legitim, wenn Sie sich gerade für den Anfang ein Land mit etwas mehr Komfort aussuchen.

Letztendlich kommt es auch auf Ihre Grundhaltung an, wie wohl Sie sich fühlen werden. Wenn Sie mit dem Motto „Ich bin hier, um zu lernen, wie ich helfen kann.“ ins Projekt gehen, wird Ihnen auch der Verzicht auf einen gewissen Komfort nicht mehr so schwerfallen.

Für viele Freiwillige ist es gerade das Verlassen Ihrer Komfortzone, das sie reizt.

Art der Unterkunft

Die Unterbringung bei Freiwilligenarbeit im Ausland findet meist in einer der folgenden Möglichkeiten statt:

  1. Gastfamilie (unsere Empfehlung)
  2. Für Volunteers reservierte Unterkunft (Volunteer-Haus)
  3. Im Projekt selbst.
  4. Gastgewerbe, die nicht exklusiv für Freiwillige reserviert sind: Hostels, Jugendherbergen, Hotels (Davon raten wir ab.)

Welche Unterbringung zur Verfügung steht, hängt in erster Linie von der Freiwilligen-Organisation ab, wobei zusätzlich die Möglichkeiten von Einsatzland zu Einsatzland, teilweise sogar von Projekt zu Projekt unterschiedlich sein können.

 Gastfamilie

Wer viel Wert auf Privatsphäre legt, ist bei einer Gastfamilie am besten aufgehoben. Siehe dazu auch das vorhergehende Kapitel, wenn Sie Abstand zu jungen Freiwilligen halten wollen.

Die Freiwilligen-Organisationen rekrutieren meist Familien aus der lokalen Mittelschicht, die einerseits einen ausreichenden Lebensstandard haben, um ein Zimmer für Freiwillige zur Verfügung stellen zu können, andererseits aber auch froh über das zusätzliche Einkommen sind. (Denn natürlich bekommen die Gastfamilien für Ihre Beherbergung Geld.)

Um auf Nummer sicher zu gehen, können Sie über unser Kontaktformular am Ende der Projektbeschreibung direkt bei der Freiwilligen-Organisation nachfragen, ob es Einzelzimmer gibt. Wie bereits im vorigen Kapitel erwähnt, stehen die Chancen dafür außerhalb der Hochsaison besser. Sollte es keine Einzelzimmer geben, können Sie auch nachfragen, ob Sie dann das Zimmer zumindest mit jemandem in Ihrem Alter teilen können. Die Freiwilligen-Organisationen bemühen sich hier in der Regel, Ihren Wünschen – so weit möglich – entgegenzukommen.

Gastfamilien geben Ihnen auch die beste Gelegenheit zum Globalen Lernen. Dies gelingt am besten, wenn Sie sich auch auf die Lebenssituation der Einheimischen einlassen, so deren Alltag kennenlernen und ihre Probleme nachvollziehen. Was für uns selbstverständlich ist, ist es für andere möglicherweise nicht, doch dies wird uns oft erst dann bewusst, wenn wir es am eigenen Leib erfahren.

 Volunteer-Haus

Viele Freiwilligen-Organisationen bringen die Volunteers in eigens dazu angemieteten Volunteer-Häusern oder -Wohnungen unter, quasi als Volunteer-WG. Die WGler*innen arbeiten nicht unbedingt im selben Projekt, aber kommen nach Feierabend und am Wochenende wieder zusammen.

Die Einrichtung und Ausstattung dieser Volunteer-Häuser sind auf die Wünsche und Bedürfnisse westlicher Freiwilliger ausgerichtet, so dass der allgemeine Komfort dort mitunter höher ist als in Gastfamilien am gleichen Ort.

Gleichzeitig müssen Sie aber auch mit einer Unterbringung in Mehrbettzimmern rechnen und sich darauf einstellen, von jungen Leuten umgeben zu sein.

Diese Unterkünfte sind zwar sowohl für die Freiwilligen als auch die Organisationen praktisch. Gleichzeitig können Sie aber auch zur Isolierung der Volunteers von den Realitäten der Einheimischen führen und deshalb das Globale Lernen behindern. Nicht selten bietet die Präsenz von Hausmeister- und Küchenpersonal trotzdem einen gewissen Kontakt zu lokalen Gepflogenheiten.

 Unterbringung im Projekt

Mitunter stellt das Aufnahme-Projekt selbst, also das Projekt, in dem Sie sich engagieren, eine Unterkunft vor Ort zur Verfügung.

Das kann eine Art Gästezimmer sein, das z. B. an eine Schule oder ein Behinderten-Projekt angeschlossen ist. Das ähnelt dann dem Wohnen in einer Gastfamilie; häufig werden Sie z. B. vom einheimischen Personal des Projekts bekocht.

In Naturschutz-Projekten weitab der Zivilisation können teilweise auch viele Freiwillige zusammenwohnen (weil es rings herum keine anderen Gebäude gibt), in Unterkünften, die dann Volunteer-Häusern ähneln.

 Hostel, Jugendherbergen Hotel

Von Unterkunft in einem Hostel, einer Jugendherberge oder in einem Hotel, wo Sie als Volunteer auch andere zahlende Gäste/Kunden treffen, raten wir generell ab.

Vor allem deswegen, weil der Hauptnutzen Ihres Engagements in Ihrer Lernerfahrung in einem Entwicklungsland liegt. Siehe dazu auch unseren Artikel zum Sinn von Freiwilligenarbeit im Ausland.

Wer tagsüber im Slum hilft, aber am Abend in sein Hotelzimmer mit Klimaanlage und Kabel-TV zurückkehrt, schafft sich seine eigene kleine Wohlstands-Blase und verfestigt kolonialistische Weltbilder. „Ich habe schließlich den armen Leuten geholfen. Jetzt darf ich auch wieder ausspannen.“ Das Ziel sinnvoller Freiwilligenarbeit im Ausland sollte aber gerade sein, diese Weltbilder zu hinterfragen, mit Vorurteilen aufzuräumen und mehr Verständnis für die Probleme der Anderen aufzubringen.

Wieso auch Freiwilligenarbeit für Erwachsene im Ausland Geld kostet

Flexible Freiwilligenarbeit im Ausland ist leider auch für Erwachsene nicht kostenlos. Wir erklären in unserem Blog-Artikel „Warum für Freiwilligenarbeit im Ausland Geld bezahlen“ ausführlich, welche Kosten anfallen und warum meist die Freiwilligen für sie aufkommen müssen.

Nicht nur Unterkunft und Verpflegung müssen bezahlt werden, sondern auch

  • Vor- und Nachbereitung,
  • Projekt-Monitoring,
  • Gehälter und
  • allgemeine Verwaltungsausgaben der durchführenden Organisation.

Dass Freiwilligenarbeit im Ausland Geld kostet, liegt auch daran, dass Freiwillige eben keine Entwicklungshelfer sind. Mehr Infos zu den Unterschieden zwischen diesen beiden Formen des Engagements finden Sie im Kapitel „Volunteering ist keine Entwicklungszusammenarbeit“.

Die finanziellen Rahmenbedingungen bei geregelten Freiwilligendiensten wie weltwärts oder dem IJFD sind zwar dank der öffentlichen Förderung dieser Programme erheblich günstiger. Wie wir bereits im Kapitel über geregelte Freiwilligendienste erklärt haben, nehmen diese aber nur Menschen unter 30 auf, so dass Ältere auch hier nicht auf Zuschüsse hoffen können.

Wer Arbeitnehmer ist, kann aber im Rahmen von Corporate Volunteering auf finanzielle Unterstützung durch seinen Arbeitgeber hoffen. Dieses Konzept erklären wir im nächsten Kapitel.

Sprechen Sie Ihren Arbeitgeber auf Corporate Volunteering im Ausland an

Corporate Volunteering kennt man in Deutschland vor allem als soziales oder kulturelles Engagement von Arbeitnehmer*innen am Wohn- bzw. Arbeitsort.

Das Unternehmen (manchmal auch eine öffentliche Behörde) unterstützt seine Mitarbeiter*innen vor allem durch die Freistellung während der Arbeitszeit, damit diese sich in gemeinnützigen Organisationen oder für deren Nutznießer*innen engagieren können.

Zu den meistgenannten Gründen, warum sich Unternehmen so engagieren, gehören

  • Ausdruck einer Corporate Social Responsibility (CSR)-Strategie
  • Motivation der Belegschaft
  • Stärkung der Bindung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer
  • Image-Gewinn als Arbeitgeber mit gesellschaftlichem Engagement, Sinnstiftung am Arbeitsplatz

Eine in Deutschland noch relativ wenig praktizierte Form der betrieblichen Freiwilligenarbeit ist die Unterstützung bei der Teilnahme an einem Freiwilligenprojekt im Ausland. In Frankreich z. B. ist diese Form des Employee Volunteering als Congé humanitaire oder Congé solidaire® (Marke des Vereins Planète Urgence) verbreitet.

  1. Die oder der Angestellte nimmt während Ihres Urlaubs an einem Freiwilligenprojekt im Ausland teil. Das Arbeitsverhältnis läuft also normal weiter, und es erfolgt keine Freistellung über den gesetzlichen Urlaub hinaus.
  2. Der Arbeitgeber unterstützt die Initiative der oder des Angestellten durch eine vollständige oder teilweise Übernahme der entstehenden Kosten. Die Mittel kommen dazu meist aus dem CSR-, dem Fortbildungs- oder auch dem Kommunikations-Budget.
  3. Eine Freiwilligenorganisation hilft bei der Durchführung des Freiwilligenprojektes.

Von einer solchen Möglichkeit des Mitarbeiterengagements können einzelne Beschäftige profitieren. Manchmal organisieren die Unternehmen aber auch Mitarbeiterreisen in der Gruppe für einen guten Zweck.

Vielleicht ist ja auch Ihr Arbeitgeber an einem solchen freiwilligen Engagement der Beschäftigten im Ausland interessiert?!

Zeigen Sie einfach Initiative und sprechen Sie Ihren Arbeitgeber auf eine solche Möglichkeit an! Damit können Sie Ihre eigenen Kosten für Ihren Freiwilligeneinsatz erheblich senken. Die richtigen Ansprechpartner*innen sitzen meist in der Personal-Abteilung oder in der für CSR zuständigen Abteilung.

Wenn Sie grundsätzliches Interesse seitens des Arbeitsgebers sichergestellt haben, stehen wir gerne als Informationsquelle für die zuständige Person zur Verfügung und helfen bei der Gestaltung eines Corporate Volunteering-Programms im Ausland. Unsere Kontaktadresse dafür: corporatevolunteering ( a ) wegweiser-freiwilligenarbeit.com.

Erzählen Sie Ihren Freunden von "Der ultimative Ratgeber für Freiwilligenarbeit und Freiwilligendienst im Ausland für Erwachsene, Ältere ab 30, 50+" :

Frank Seidel

Frank Seidel ist der Gründer von www.wegweiser-freiwilligenarbeit.com, dem unabhängigen Portal für flexible und sinnvolle Freiwilligenarbeit im Ausland. Seit er 1991 selbst ein Praktikum in einem Naturschutzgebiet in Südfrankreich machte, beschäftigt er sich mit freiwilligem Engagement weit ab der Heimat, in der Vergangenheit auch als Autor des Buches "Jobben für Natur und Umwelt" oder als Marketing-Direktor einer weltweit agierenden Freiwilligenorganisation.

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