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Freiwilligenarbeit im Ausland ab 16, 17, 18

Freiwilligenarbeit ab 16Freiwilligenarbeit im Ausland ab 16 oder 17, ist das möglich? Diese Frage stellen sich regelmäßig viele Jugendliche und deren Eltern, wenn Minderjährige z. B. nach dem Abi Volunteering machen wollen. Wir erklären, unter welchen Umständen auch Menschen unter 18 flexible Freiwilligenarbeit im Ausland leisten können (nicht zu verwechseln mit einem FSJ im Ausland) und auf was dabei zu achten ist. Eine gute Nachricht vorweg: um sich zu engagieren, braucht man weder Volljährigkeit, noch besondere Fähigkeiten.

Tl;dr* – Kurz & knapp

  1. Flexible Freiwilligenarbeit im Ausland ist bereits ab 16 oder 17 Jahren möglich, nicht aber geregelte Freiwilligendienste wie weltwärts.
  2. In unserer Projekt-Suche ist bereits in den Suchergebnissen das erforderliche Mindestalter sichtbar.
  3. Welche Aufgaben übernommen werden können, hängt auch von der Anleitung im Projekt vor Ort ab.
  4. Wer auf gute Betreuung wert legt, sollte Freiwilligen-Organisationen mit eigenen Mitarbeitern vor Ort vorziehen.

* Too long: didn’t read – Zu lang, nicht gelesen

Gibt es ein Mindestalter für Freiwilligenarbeit in Afrika, Asien oder Südamerika?

Generell ist flexible Freiwilligenarbeit, wie sie unsere Partner-Organisationen hier auf wegweiser-freiwilligenarbeit.com anbieten, bereits ab 16 oder 17 Jahren möglich. Damit unterscheidet diese Form des Engagements sich von geregelten Freiwilligendiensten wie weltwärts oder dem EFD, bei denen die Teilnehmer volljährig sein müssen. Der Internationale Jugendfreiwilligendienst IJFD hat zwar ein Mindestalter von 16 Jahren, in der Praxis können sich Minderjährige aber nur selten im Bewerbungsverfahren gegen volljährige Kandidaten durchsetzen. Laut einer Studie des AKLHÜ hatten im Jahr 2016 nur knapp 5% aller Freiwilligen in geregelten Freiwilligendiensten ein Alter unter 18 Jahren. Ein FSJ im Ausland ab 16 ist schon deshalb so gut wie unmöglich, weil dieser Dienst fast vollständig von anderen geregelten Auslands-Freiwilligendiensten ersetzt wurde.

Flexible Freiwilligenarbeit unterscheidet sich von den geregelten Freiwilligendiensten dadurch, dass sie durch ein einfaches Anmeldeverfahren zugänglich ist, und die Freiwilligen Zielland, Dauer und Startdatum mehr oder weniger flexibel wählen können.

Mindestalter und Höchstalter der Auslands-Freiwilligendienste

Nichtsdestotrotz steht auch bei der flexiblen Freiwilligenarbeit nicht jedes Projekt Freiwilligen unter 18 offen. Das Mindestalter hängt sowohl von der Entsendeorganisation als auch vom Aufnahmeprojekt ab.

Dabei spielen häufig versicherungs- und haftungstechnische Gründe eine Rolle bei der Festlegung der Altersgrenze. Volljährig ist man zwar in den meisten Ländern ab 18 Jahren, es gibt aber auch Ausnahmen, was dann die Altersgrenze nach oben oder unten verschieben kann. In Nepal ist man z. B. bereits mit 16 volljährig, in Thailand aber erst mit 20.

Freiwilligenarbeit im Ausland 16 Mindestalter in SuchergebnissenOb dir ein Projekt für Freiwilligenarbeit ab 16, ab 17 oder doch erst ab 18 oder sogar 21 Jahren offen steht, siehst du bei uns auf wegweiser-freiwilligenarbeit.com bereits in den Suchergebnissen. Auch im Projekt-Steckbrief auf den Projekt-Seiten findest du das Mindestalter.

 

Freiwilligenarbeit unter 16 nur in der Familie

Auch mit 15, oder generell unter 16, ist Freiwilligenarbeit in manchen Fällen möglich, wenn

  • ein Erziehungsberechtigter ebenfalls teilnimmt,
  • das spezifische Freiwilligen-Projekt generell geeignet ist und
  • darüber hinaus das Aufnahme-Projekt damit einverstanden ist.

Unser Rat ist deshalb, direkt über das Kontaktformular am Ende einer Projektbeschreibung die Organisation zu kontaktieren, die das Wunsch-Projekt anbietet, und sich über Freiwilligenarbeit in der Familie zu informieren. Bereits davor gilt: gesunden Menschenverstand walten lassen! Bei der Arbeit in einem Menschenrechtsbüro beispielsweise hat es keinen Sinn, ein Kind mit ins Projekt zu nehmen.

Und: Eltern bzw. erziehungsberechtige Person und Kinder müssen tatsächlich beide im Projekt tätig sein. Es geht also nicht, dass der jeweilige Erziehungsberechtigte den minderjährigen Freiwilligen im Projekt abliefert, um dann auf Sightseeing-Tour zu gehen. Freiwilligen-Organisationen bieten keine Babysitter-Dienste an, für die Betreuung von Minderjährigen sind die Erziehungsberechtigten verantwortlich. Darüber sollten sich alle Beteiligten im Klaren sein, damit keine Missverständnisse aufkommen.

Welche Projekte stehen Minderjährigen mit 16 oder 17 offen? Welche Mindestqualifikation ist gefordert?

Grundsätzlich stehen Minderjährigen alle Projekt-Kategorien offen. Wenn in den Projekt-Beschreibungen auf wegweiser-freiwilligenarbiet.com ein Mindestalter von 16 oder 17 steht, haben unsere Partner-Organisationen mit den Aufnahme-Projekten abgesprochen, dass auch die Mitarbeit von Personen unter 18 ohne berufliche Qualifikation möglich und sinnvoll ist. Darüber hinaus gibt der Projekt-Steckbrief Auskunft, ob besondere Qualifikationen wünschenswert sind.

Minderjährige Freiwillige kommen aber doch meist gerade erst aus der Schule oder haben noch gar keinen Abschluss. Was können sie also in Afrika, Asien oder Lateinamerika ohne spezifisches Wissen überhaupt leisten?

Die gute Nachricht: Um Solidarität zu zeigen und Lust auf’s Anpacken zu haben, braucht man keinen Berufsabschluss. Zudem haben viele 16- und 17-jährige bereits durchaus relevante Erfahrung, durch ehrenamtliches Engagement in Vereinen oder Schul-AGs z. B., oder durch Nebenjobs.

Darüber hinaus kommt es auch darauf an, welche Aufgaben die Freiwilligen im Projekt erwarten und besonders, wie die Anleitung und Hilfestellung von Seiten der Projektmitarbeiter aussieht.

Denn es macht einen Unterschied, ob die Freiwilligen beispielsweise als Assistenz eines professionellen Englisch-Lehrers dafür zuständig sind, den Kindern spielerisch die Sprache näherzubringen und viel mit ihnen zu sprechen, oder ob sie ihnen ganz allein die dazugehörige Grammatik erklären sollen. Zu ersterem sind viele Schüler, Auszubildende oder Abiturienten in der Lage, während letzteres wohl für Personen mit Lehrerfahrung geeigneter ist. Eine einfache Frage kann als Grundlage für die Beurteilung der künftigen Aufgaben dienen: „Würde ich mir das auch zu Hause zutrauen?“ Ist die Antwort nein, ist es wahrscheinlich besser ein Projekt mit anderen Aufgaben auszusuchen, bei denen man sich sicherer fühlt.

Gerade bei Freiwilligenarbeit ab 16 sollten die Volunteers keine zu hohen Erwartungen stellen an das, was sie im Gastland wirklich bewegen können. Mit 16 in zwei Wochen die Welt retten geht leider nicht! Stattdessen stehen Lernen und Verstehen im Vordergrund.

So liegt auch der Hauptsinn von Freiwilligenarbeit für uns im globalen Lernen und im Verstehen von Zusammenhängen. Idealerweise entscheiden sich Freiwillige aufgrund ihrer Erfahrungen nach ihrer Rückkehr dafür, sich weiter für globale Gerechtigkeit zu engagieren und so zu langfristigen Veränderungen beizutragen.

Workcamp in der Gruppe oder individuell organisierte Freiwilligenarbeit?

Freiwillige können je nach persönlicher Vorliebe entscheiden, ob sie allein oder in der Gruppe Freiwilligenarbeit machen möchten. Gerade für Freiwilligenarbeit ab 16 oder 17 Jahren gibt es häufig Programme, die von vornherein als Gruppenaktivität angelegt sind. So sind die Jugendlichen im Projekt mit anderen jungen Freiwilligen zusammen, und auch am Wochenende gibt es häufig ein organisiertes Programm. Begleitet werden sie dabei von Mitarbeitern der Freiwilligen-Organisation, die als Betreuer zur Verfügung stehen. Diese sogenannten Workcamps finden zu bestimmten Terminen statt, und zwar meist in den Sommerferien, da sie besonders auf Schüler und Studierende von 16-25 Jahren ausgerichtet sind.

Aber, trotz Gruppenarbeit und Wochenendprogramm: Eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung kann auch in einem Workcamp nicht geleistet werden. Eltern sollten deshalb Vertrauen in ihre Kinder haben, dass diese sich auch mal alleine zurechtfinden.

Auch in Projekten mit individuellem Anreise-Datum, die nicht als Workcamps organisiert sind, sind junge Freiwillige meist nicht komplett auf sich allein gestellt. Die verschiedenen Projekte einer Freiwilligen-Organisation konzentrieren sich im Einsatzland häufig in einer Stadt oder in einer Region, so dass sich die Freiwilligen dann einfach untereinander vernetzen und eine Volunteer-Community bilden können. Nicht selten engagieren sich auch mehrere Volunteers im selben Aufnahme-Projekt, was den Kontakt nach zusätzlich erleichtert.

Doch wie genau sieht es nun beim Wunsch-Projekt aus? Wie viele andere Freiwillige sind mit vor Ort in Afrika, Asien, Lateinamerika? Gibt es in der Gaststadt eine Volunteer-Community, und arbeiten auch andere Freiwillige direkt im Projekt? Um diese Fragen vorab zu klären, empfehlen wir, die Freiwilligen-Organisation über unser Kontaktformular am Ende jeder Projekt-Beschreibung zu kontaktieren.

Welche Betreuung bekommen junge Freiwillige vor Ort?

Vor allem für die Eltern der jungen Freiwilligen ab 16 bekommt ein Entscheidungskriterium für die Wahl des Projekts besonderes Gewicht: Hat die durchführende Freiwilligen-Organisation eigene Mitarbeiter vor Ort, die ggf. bei Problemen helfen können?

Wahrscheinlich passiert nichts, aber was, wenn doch etwas passiert? Das muss nicht gleich Gefahr für Leib und Leben sein, aber ein Geldbeutel ist schnell geklaut, eine kleinere Wunde muss vielleicht mal im Krankenhaus genäht werden. Da unterscheidet sich Freiwilligenarbeit im Ausland nicht von einer Reise an ein europäisches Tourismus-Ziel.

Die Personal-Ausstattung der Freiwilligen-Organisation vor Ort ist durchaus unterschiedlich. Manche Entsende-Organisationen stützen sich auf die Mitarbeiter des Aufnahme-Projekts, andere arbeiten mit lokalen Aufnahme-Organisation zusammen, und wieder andere beschäftigen eigene Mitarbeiter vor Ort.

Freiwilligenarbeit ab 17 mit Gastfamilie

Gastfamilien können jugendliche Freiwillige unterstützen

Da lohnt es sich durchaus genauer hinzusehen und ggf. bei der Organisation konkret nachzufragen. Unser Ratgeber mit seiner Checkliste hilft dabei.

Wir empfehlen, Organisationen mit eigenen Mitarbeitern der Entsendeorganisation vor Ort zu bevorzugen. Der Kommunikations-Fluss zwischen Einsatz- und Heimatland ist dann optimal und die Mitarbeiter müssen bei einem Notruf, nicht anderen Verpflichtungen nachgehen, wie es z. B. Mitarbeiter des Aufnahme-Projekts tun müssen.

Für die moralische Unterstützung Gleichgestellter kann es gut tun, wenn es die oben erwähnte Volunteer-Community vor Ort gibt. Gleichaltrige Freiwillige können einander oft besser verstehen und sich so bei Problemen gegenseitig unterstützen.

In manchen Projekten können Freiwillige außerdem in einer Gastfamilie leben. Diese fühlt sich häufig für ihren Familienzuwachs auf Zeit verantwortlich, gerade wenn die Volunteers noch jünger sind, und kann auch bei Problemen weiterhelfen.

Was kostet Freiwilligenarbeit im Ausland mit 16 oder 17?

Flexible Freiwilligenarbeit im Ausland ist leider auch mit 16 oder 17 nicht kostenlos. Wir erklären in unserem Blog-Artikel „Warum für Freiwilligenarbeit im Ausland Geld bezahlen“ ausführlich, welche Kosten anfallen und warum leider meist die Freiwilligen für sie aufkommen müssen. Nicht nur Unterkunft und Verpflegung müssen bezahlt werden, sondern auch Vor- und Nachbereitung, Projekt-Monitoring, Gehälter und allgemeine Verwaltungs-Ausgaben der durchführenden Organisation.

Die finanziellen Rahmenbedingungen bei geregelten Freiwilligendiensten wie weltwärts oder dem IJFD sind zwar erheblich günstiger. Diese nehmen aber kaum Minderjährige auf (siehe oben) und haben außerdem meist eine lange Bewerbungsfrist.

Kosten Taschengeld Freiwilligendienste Ausland

Aber auch im Bereich der flexiblen Freiwilligenarbeit gibt es Angebote, die günstig und andere, die weniger günstig sind. Je mehr Leistungen Freiwillige vor Ort beanspruchen möchten, umso teurer wird natürlich auch ihr Aufenthalt. Die Checkliste in unserem Ratgeber „So wählen Sie die richtige Freiwilligen-Organisation aus“ hilft dabei, genau zu überprüfen, was im jeweiligen Preis mit drin ist, und die einzelnen Projekte miteinander zu vergleichen. Ein wesentlicher Kostenfaktor ist dabei häufig die Anwesenheit oder Abwesenheit von Mitarbeitern vor Ort.

Die gute Nachricht: jährlich gelingt es vielen tausend jungen Menschen, ihr Freiwilligenprojekt zu finanzieren. Wer gerade knapp bei Kasse ist, findet in unserem Blog-Artikel Tipps für die Finanzierung eines Freiwilligen-Projekts.

Eine Alternative bei der Kosten-Reduktion ist u. a. die Dauer des Engagements im Ausland zu verkürzen (also z. B. kein wirkliches Auslandsjahr im eigentlichen Sinne des Wortes) und die dadurch zur Verfügung stehende Zeit zum Jobben oder anderweitigen Geld-verdienen nutzen.