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Freiwilligendienste im Ausland

Wer sich als Freiwilliger im Ausland engagieren will, stößt bei seiner Recherche auf ein buntes Durcheinander von geregelten Freiwilligendiensten, Programmen und Organisationen: Staatlich gefördert oder unabhängig als flexible Freiwilligenarbeit, mit Kindern, in Umweltschutz oder Entwicklungszusammenarbeit, in Europa oder in Übersee. Ein Vergleich der verschiedenen Auslands-Freiwilligendienste fällt da oft schwer, aber es gibt zum Teil große Unterschiede was z. B. Dauer, Stellenangebot oder Einsatzregionen angeht. Wir haben uns durch die verschiedenen Angebote gekämpft, damit du bei deiner Suche den Durchblick behältst. Die Infografiken zeigen die Vor- und Nachteile der verschiedenen Alternativen und helfen bei der Entscheidung, welcher Freiwilligendienst für dich der richtige ist.

Wenn du dir hier den Gesamt-Überblick verschafft hast, empfehlen wir diese Seiten um ins Detail zu gehen:

Deutsche Freiwillige pro Jahr in Freiwilligendiensten

Inhaltsverzeichnis

 

Geregelte Freiwilligendienst im Ausland oder flexible Freiwilligenarbeit

Ein freiwilliges Engagement im Ausland wird

  • freiwillig,
  • ohne Erwerbsabsicht,
  • im Ausland,
  • für einen gemeinnützigen Zweck geleistet.

Die Teilnehmer arbeiten also an einem sozialen, ökologischen oder kulturellen Projekt im Ausland, und das unbezahlt oder gegen geringe Vergütung. Vor allem letzteres unterscheidet Freiwilligendienste von beruflicher Tätigkeit auf internationaler Ebene oder in der Entwicklungszusammenarbeit.

Grundsätzlich gilt es zwei verschiedene Formen des Helfens im Ausland auseinander zu halten: geregelte Freiwilligendienste und flexible Freiwilligenarbeit.

1. Geregelte Freiwilligendienste

Darum geht es in dieser Rubrik “Freiwilligendienste im Ausland”.

Geregelte Freiwilligendienste stellen präzise definierte Förder-Programme dar, die durch staatliche oder europäische Richtlinien klar geregelt sind.

Als es in Deutschland noch einen Wehrdienst gab, konnte die Teilnahme an den Programmen, die es damals bereits gab, teilweise diesen Wehrdienst ersetzen.

Präzise Regeln, konnte Wehrdienst ersetzen – deswegen unsere Wortwahl: geregelte Freiwilligendienste.

Derzeit gibt es in Deutschland folgende geregelte Freiwilligendienste, die im Ausland stattfinden:

  • weltwärts
  • Internationaler Jugend-Freiwilligendienst (IJFD)
  • kulturweit
  • Europäischer Freiwilligendienst (EFD)
  • Sowie folgende kaum noch benutzte Dienste
    • Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Ausland
    • Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) im Ausland
    • Anderer Dienst im Ausland (ADiA)

Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) findet grundsätzlich nicht im Ausland statt.

Hinter diesen Begriffen stecken also keine Organisationen, sondern Förderprogramme. Das wird in den Medien leider häufig durcheinander geworfen.

Gemeinnützige Vereine können über diese Programme die Bezuschussung von Freiwilligen-Stellen beantragen und werden dann bei Erfolg sogenannte Trägerorganisationen.

Ihr könnt euch dementsprechend nicht bei weltwärts oder dem IJFD bewerben, sondern nur bei einer Trägerorganisation, die eine über das weltwärts- oder das IJFD-Programm finanzierte Stelle anbietet.

Genauso wenig könnt ihr euch selbst irgendwo in Afrika, Asien, Nord- oder Südamerika, Europa oder Australien/Ozeanien eine NGO suchen und dann selbst über diese Programme direkt Gelder beantragen. Fördermittel können nur gemeinnützige Vereine bekommen und das nur mit langer Vorlaufzeit.

Die so finanzierten Stellen müssen zwingend den Richtlinien entsprechen, von denen die Trägerorganisationen nicht abweichen dürfen.

Wenn es Spielräume gibt, z. B. bezüglich der Dauer, legen die Trägerorganisation den genauen Rahmen fest, nicht ihr. Das müsst ihr euch wie die Ausschreibung einer Praktikums-Stelle oder eines Jobs vorstellen.

Wenn z. B. eine weltwärts-Stelle ausgeschrieben wird, mit

  • Beginn: 01.09.2018
  • Dauer: 11 Monate
  • Ort: Durban, Südafrika

könnt ihr nicht sagen: “Ich würde aber gerne für 3 Monate ab dem 15.09.2018 nach Kapstadt oder nach Ghana.”

Die einzige Wahlmöglichkeit, die ihr habt, ist euch auf eine Stelle zu bewerben oder nicht.

A propos Bewerbung: auch in dieser Beziehung werden Stellen im Rahmen geregelter Freiwilligendienste wie Praktika oder Jobs besetzt. Alle Interessierten können sich bewerben, die Stelle bekommt aber letztendlich nur eine Person. Laut einer Studie aus dem Jahr 2017 kommen durchschnittlich vier Bewerbungen auf einen Einsatzplatz. Bei besonders attraktiven Stellen kann es aber durchaus auch erheblich mehr Konkurrenz geben.

Positiv ist zu vermerken, dass durch die Fördergelder die finanziellen Teilnahmebedingungen erheblich günstiger sind.

2. Flexible Freiwilligenarbeit

Flexible Freiwilligenarbeit ist für uns alles, was nicht über die geregelten Freiwilligendienste läuft. Das kann unter Workcamp, Volunteering, Freiwilligenarbeit stattfinden, manche Organisationen benutzen sogar auch den Begriff Freiwilligendienst oder privatrechtlicher Freiwilligendienst. Leider gibt es kein einheitliches Vokabular.

Alle Projekte hier auf wegweiser-freiwilligenarbeit.com fallen in diese Kategorie.

Bei flexibler Freiwilligenarbeit gibt es erheblich mehr Wahlmöglichkeiten, so dass ihr euch aussuchen könnt, was ihr wo für wie lange machen wollt. Flexibel eben.

Wie flexibel hängt von der jeweiligen Freiwilligenorganisation, manchmal auch vom einzelnen Projekt ab. Teilweise gibt es ein paar über’s Jahr verteilte Starttermine, teilweise könnt ihr aber auch individuell den Start-Termin und die Dauer festlegen. Dadurch ist es auch möglich, mehrere Projekte in mehreren Ländern miteinander zu kombinieren.

Darüber hinaus sind Bewerbungsverfahren im engeren Sinne relativ selten, meist gibt es ein Anmeldeverfahren.

Diese Flexibilität hat leider ihren Preis, denn diese Form des Helfens im Ausland profitiert nur selten von öffentlichen Zuschüssen. Bei allen flexiblen Freiwilligen-Projekten müsst ihr die Kosten, die bei der Durchführung unweigerlich entstehen, selbst finanzieren und deswegen einen Teilnahmebeitrag zahlen. Welche Kosten das sind und warum sie sich schnell auf mehrere hundert und sogar mehrere tausend Euros belaufen können, erklären wir im Detail in unserem Artikel Warum muss ich für Freiwilligenarbeit im Ausland bezahlen?

Entsendeorganisation, Trägerorganisationen – Was ist das?

Hinter den Projekten stehen die sogenannten Entsende- oder Trägerorganisationen, die mit den Partnerorganisationen in den Einsatzländern zusammenarbeiten. Sie kümmern sich um den Bewerbungs- oder Anmeldungs-Ablauf, bereiten die Teilnehmer auf ihren Auslandsaufenthalt vor und erledigen alles Organisatorische. Im deutschsprachigen Raum und international gibt es mehrere Hundert dieser Organisationen.

Zielländer der einzelnen Freiwilligen-Dienste im Ausland

Abhängig von inhaltlicher Ausrichtung, zuständiger Behörde und finanziellen Mitteln senden die geregelten Freiwilligendienste die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in unterschiedliche Regionen der Welt. Grundsätzlich gilt: wenn keine Förderung, dann keine Einsatz-Stelle. Kein Programm bietet das ganze Spektrum von Afrika und Asien, über Südamerika und Mittelamerika, bis zu den Industriestaaten in Australien und Ozeanien, Nordamerika und Europa an – außer der flexiblen Freiwilligenarbeit. Da die Freiwilligen hier Ihr Projekt selbst finanzieren, stehen alle Möglichkeiten offen.Einsatzorte deutscher Freiwilligendienste im Ausland

Mindestalter und Höchstalter der Auslands-Freiwilligendienste

Während der Bundesfreiwilligendienst (der übrigens nur in Deutschland geleistet werden kann und deswegen hier nicht weiter vorkommt) auch Personen zugänglich ist, die die 30 schon überschritten haben, ist die öffentliche Hand wohl derzeit noch der Meinung, dass diese Bevölkerungsgruppe im Ausland keine Förderung verdient.

Denn Auswahl gibt es nur für junge Leute bis 26 Jahre, bis 28 Jahre gibt es schon weniger Möglichkeiten und für junge Leute über 30 bleibt eigentlich nur noch die flexible Freiwilligenarbeit.

Ähnliches gilt für Minderjährige bis 18 Jahre, die sich bereits vor oder direkt nach dem Abi freiwillig im Ausland engagieren wollen.Mindestalter und Höchstalter deutscher Freiwilligendienste

Freiwilligendienste Bewerbung – Für Ausreise 2019 schon 2018 aktiv werden

Diese Vielfalt hat aber auch Nachteile, denn es gibt keine zentrale Einsatzplatz-Börse, dafür aber unterschiedliche Bewerbungs-Verfahren und –Zeiträume. Für die Freiwilligen bedeutet das vor allem einen hohen Zeitaufwand bei der Suche nach ihrer Traumstelle sowie Bewerbungsgespräche und Auswahltreffen.

In einem Punkt gleichen sich übrigens alle öffentlich geförderten Freiwilligendienste: Da es nur eine begrenzte Anzahl von Einsatzstellen gibt, kommen angehende Freiwillige um ein ausführliches Bewerbungsverfahren nicht herum.

Bewerbungsverfahren heißt dabei u. a. auch Bewerbungsfrist. Spontane Entscheidungen und geregelte Freiwilligendienste gehen leider nicht zusammen. Meist beginnt die Bewerbungsfrist bereits mehrere Monat bis ein Jahr vor Arbeitsbeginn. Wer z. B. im Ausbildungsjahr 2019-2020 einen Auslandsfreiwilligendienst machen möchte, muss sich schon im 2. Halbjahr 2018 bewerben. Wer sich erst nach dem Abi 2018 noch mal schnell eine weltwärts- oder IJFD-Stellen sicher will, guckt leider in die Röhre. Zum Glück gibt es als Alternative dann noch die flexible Freiwilligenarbeit, zu der alle auf dieser Site gezeigten Volunteering-Projekte gehören.

Auch wenn hier zunächst nur bundesdeutsche Freiwilligendienste beschrieben werden, stehen fast alle Freiwilligendienste auch Österreichern und Schweizern offen, denn Unionsbürgerschaft oder Visum reichen für eine Teilnahme aus.

Bewerbungsfristen und Dauer deutscher Freiwilligendienste im Ausland

 

Die wichtigsten Freiwilligendienste im Ausland im Kurzprofil

Flexible Freiwilligenarbeit

Geht nicht, gibt’s nicht. Wer sich bei einem unabhängigen Anbieter für flexible Freiwilligenarbeit anmeldet, kann sicher sein, dass es mit dem Auslandsaufenthalt auch klappt. Eine Bewerbung im eigentlichen Sinn ist nur selten nötig. Unsere Freiwilligenarbeit-Suche erleichtert Ihnen den Zugang zu hunderten Projekten verlässlicher Freiwilligen-Organisation.

Weitere Vorteile: weltweit großes Stellenangebot in allen Einsatzbereichen, kein Höchstalter und hohe Flexibilität in Sachen Dauer und Abreisedatum. Einziger Haken: die Kosten, die die Organisation eines Freiwilligen-Programms unweigerlich mit sich bringt, müssen von den Freiwilligen selbst übernommen werden.

Warum die Organisation von Freiwilligen-Programmen ein teures Unterfangen ist und warum flexible Freiwilligenarbeit leider nicht kostenlos möglich ist, erfahren Sie auf unserer Seite Warum für Freiwilligenarbeit bezahlen?

weltwärts

weltwärts geht es jedes Jahr für rund 3.500 Freiwillige zwischen 18 und 28, die sich in der Entwicklungszusammenarbeit einsetzen wollen. Dementsprechend geht es auch nur in Entwicklungs- und Schwellenländer, und das meist für 12 Monate. Zu den Themenschwerpunkten gehören unter anderem Bildung, Gesundheit, Umwelt und Kultur. Die Teilnahme selbst kostet nichts, allerdings muss in der Regel ein Spendenkreis gegründet werden (max. 1800 €/Jahr).
Mehr zu weltwärts-Projekten

Internationaler Jugendfreiwilligendienst (IJFD)

Der IJFD ist neben weltwärts einer der populärsten Freiwilligendienste, allerdings geht es beim IJFD nicht nur in Entwicklungs- und Schwellenländerländer sondern auch in Industrieländer in Europa, Nordamerika und Australien. Einsatzstellen gibt es in der ganzen Welt, fast 50 % der Projekte finden aber in Europa statt. Der Einsatz dauert in der Regel 12 Monate und findet im sozialen oder ökologischen Bereich sowie in der Friedens- und Versöhnungsarbeit statt. Wer teilnehmen will, darf bei Dienstende nicht älter als 26 sein und muss meist einen Spenderkreis gründen (3.000-4.000€/Jahr).
Mehr zu IJFD-Trägern, Stellen und Projekten

Europäischer Freiwilligendienst (EFD)

Der EFD ist der Freiwilligendienst der EU und bietet besonders komfortable Rahmenbedingungen. Neben einem Reisekostenanteil von maximal 10 % zahlen Freiwillige tatsächlich nichts. Der Haken: Auf die Südhalbkugel kommen Sie mit dem EFD nicht, da die Einsatzländer auf Europa und unmittelbare Nachbarschaft beschränkt sind. Los geht’s für Freiwillige zwischen 18 und 30, die sich für 2-12 Monate engagieren.
Mehr zum EFD und seiner europaweiten Datenbank

kulturweit

kulturweit ist wohl der politischste Freiwilligendienst. Als erklärter Teil der deutschen Außenpolitik soll kulturweit z. B. für eine „verstärkte Sichtbarkeit der deutschen Einrichtungen der deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik“ sorgen. Das lässt sich das Auswärtige Amt als zuständiges Ministerium durch die Schaffung recht komfortabler Rahmenbedingungen für die 18- bis 26-jährigen Teilnehmerinnen und Teilnehmen etwas kosten.
Mehr darüber, wie Sie sich für kulturweit bewerben

Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) und Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) im Ausland

Seit der Einführung von weltwärts und IJFD nimmt die Bedeutung des FSJ im Ausland rapide ab, da das FSJ ursprünglich als Inlands-Dienst konzipiert wurde und seine Ausweitung ins Ausland eigentlich nur eine Übergangslösung war. Es richtet sich an Freiwillige im Alter von 18-26, die sich für Projekte in den Bereichen Soziales, Kultur oder Sport interessieren.
Mehr zum FSJ in Afrika, Asien oder Südamerika
Mehr zum FÖJ im Ausland

Anderer Dienst im Ausland (ADiA)

Der Andere Dienst bringt schon seit den 80er Jahren junge Leute mit dem Ziel der Völkerverständigung ins Ausland und ist der einzige geregelte Freiwilligendienst ohne Altersbeschränkung. Da der ADiA nicht öffentlich gefördert wird, sind die Teilnehmerzahlen auch hier rückläufig.
Mehr zum ADiA